Immer der Nase nach

Geradeaus gehen; keiner vorgegebenen Richtung folgen.

Herkunft

Die Redensart hat ihren Ursprung im Mittelalter. Zu jener Zeit gab es keine Kanalisation. Der brutale Gestank von Burgen und Städten war weithin zu riechen.

Erläuterungen

Die Nase wird als Sinnesorgan oft unterschätzt. Dabei ist sie eng mit dem Gefühlsleben verbunden. Gerüche können Wohlgefühle auslösen. Es gibt Menschen, die wir besonders »gut riechen können«. Ein Duft kann Erinnerungen zurückbringen. Mit der Nase nehmen wir unterschiedliche Aromen war. Deshalb sorgt beim Essen vor allem der Geruchssinn dafür, dass es uns schmeckt.

Leider gilt auch das Gegenteil: Manchmal stinkt es gewaltig! Und damit kommt man dem Ursprung der Redensart schon näher. Sie stammt aus dem Mittelalter. Die bei den Römern bekannte Kanalisation war in Vergessenheit geraten. Man behalf sich auf denkbar einfache Art und Weise. Toiletten befanden sich an den Außenmauern der Burgen. Fäkalien fielen in die darunter liegenden Gräben. In den Städten wurden menschliche Ausscheidungen ebenso wie Müll einfach auf die Straße gekippt. Die Händler und Gaukler jener Zeit mussten auf ihrem Weg zum nächsten Markt also nur dem Gestank folgen. Sie liefen einfach immer der Nase nach.

Heute wird die Redensart fast scherzhaft gebraucht. Da die Nase fest mit dem Körper verbunden ist, kann sie gar nicht anders, als sich in dieselbe Richtung zu bewegen wie der Mensch, dem sie gehört.

Beispiele und Zitate

  • »Immer der Nase nach den Hügel hinab, an der Versöhnungskirche vorbei, dann sehen sie es schon auf der linken Seite.«

    Berliner Zeitung, 20.04.2002
  • Wer immer der Nase nach läuft, erreicht auf seiner Tour vielleicht das Institut für Energietechnik der Technischen Universität in Charlottenburg mit dem »Riechlabor«.

    Der Tagesspiegel, 14.06.2002
  • Sie machen’s alle hübsch und gut,/Aber sie wollen nichts lernen./Die holden jungen Geister/Sind alle von einem Schlag,/Sie nennen mich ihren Meister/Und gehn der Nase nach./Mit seltsamen Gebärden/Gibt man sich viele Pein,/Kein Mensch will etwas werden,/Ein jeder will schon was sein.

    Johann Wolfgang von Goethe, Zahme Xenien 4, 1827
  • Gieng derohalben stracks der Nase nach / in meinung alsobald zuversuchen / ob er das Fleisch in solcher Gestalt vnd Beschaffenheit finden möchte / daß man es auß dem Kessel gerade zu in den Magen versetzen könte.

    Cervantes, Miguel de (Übers. Pahsch Basteln von der Sohle), Don Kichote de la Mantzscha, 1648

Übersetzung in andere Sprachen

  • Follow one’s nose
    Englisch
  • Hij volgt zijn neus
    Niederländisch

Varianten

  • Immer der Nase nach
  • Der Nase nach gehen
  • Seiner Nase folgen
Letzte Aktualisierung dieser Seite am 18. Januar 2021.