Kleider machen Leute.

Die Kleidung eines Menschen trägt wesentlich zu seiner Wahrnehmung durch andere Personen bei; die Wirkung einer Person wird von ihrer Art sich zu kleiden beeinflusst.

Herkunft

Das Sprichwort geht zurück auf eine Verhaltensregel des römischen Lehrers der Rhetorik Quintilian (35–96 n. Chr.) Im lateinischen Original heißt es: Vestis virum reddit. Ursprünglich war dies eine Mahnung, Wohlstand oder Erfolg nicht durch entsprechende Kleidung vorzutäuschen.

Erläuterungen

Der erste Eindruck ist entscheidend, heißt es. Oder auch: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Bei der Einschätzung eines Menschen orientiert man sich zunächst an Äußerlichkeiten. Die Kleidung beeinflusst die Wirkung auf andere.

Bestimmte Berufe oder Situationen erfordern eine besondere Art sich zu kleiden. So werden zum Beispiel von einem Banker Anzug und Krawatte erwartet. Das wirkt seriös und soll Vertrauen schaffen. Ähnliches gilt für das Vorstellungsgespräch bei einem konservativen Unternehmen. Zur Hochzeit einer Freundin kleidet man sich dagegen festlich und/oder modisch.

Manch einer versucht durch die Art sich zu kleiden, etwas vorzutäuschen, was er nicht ist. Im Volksmund heißt es dann, dass jemandem »sein Anzug zu groß« ist oder er noch »in seinen Anzug hineinwachsen« müsse. Es fehlt dem Träger möglicherweise an Selbstbewusstsein, persönlicher Reife oder wichtigen Charaktereigenschaften. Noch drastischer kommt dies im Sprichwort »Affen bleiben Affen, auch wenn man sie in Sammet kleidet« zum Ausdruck.

Der römische Rhetoriklehrer Quintilian prägte das Sprichwort im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Schon damals war es als Mahnung gemeint. Über die Jahrhunderte tauchte es immer wieder in literarischen Texten auf. So gibt es zum Beispiel die volkstümliche Erzählung über einen geachteten Gelehrten. Als dieser einmal in Alltagskleidung über den Markt geht, grüßt ihn niemand. Erst als er daraufhin in seinem Doktorgewand die Runde macht, zieht jeder seinen Hut. Wütend kommt er nach Hause. Er zieht die Kleider aus, tritt auf sie und fragt: »Bistu dann der Doctor oder ich?« (ATU 1552)

Weithin bekannt wurde das Sprichwort nach dem Erscheinen der gleichnamigen Novelle von Gottfried Keller im Jahr 1874. Sie erzählt vom armen Schneiderlehrling Wenzel Strapinski, der auf Reisen geht. Wegen seiner vornehmen Kleider halten ihn die Leute für einen polnischen Grafen. Wenzel nutzt die Situation so lange aus, bis die Täuschung auffliegt. Die Geschichte zeigt, wie leicht sich Menschen von Äußerlichkeiten wie Kleidern oder Statussymbolen blenden lassen. So gelingt es Betrügern auch immer wieder, sich mithilfe eines veränderten Erscheinungsbildes das Vertrauen anderer Menschen zu erschleichen und sich Vorteile zu verschaffen.

Quellen und weiterführende Literatur:

Beispiele und Zitate

  • Denn Stil, so suggerieren uns Werbung, Fernsehen und Frau-im-Koma-Zeitschriften, sei ein wichtiger Teil unseres Lebens, bedeute Erfolg, weil Kleider machen Leute und wer gut aussieht, der bringe es zu etwas.

    Die Zeit, 22.01.2009, Nr. 4
  • Kleider machen Leute oder besser gesagt »Marken« machen Leute.

    Berliner Zeitung, 23.04.2005
  • Murnaus Stummfilm »Der letzte Mann« gilt als Meisterwerk des deutschen Stummfilmexpressionismus und ist ein einfühlsam gezeichnetes Porträt eines Portiers im Hotel Atlantic (Emil Jannings), der am eigenen Leibe die Bedeutung von »Kleider machen Leute« erfahren muss.

    Berliner Zeitung, 09.08.2003
  • Kleider machen Leute, auch in Hollywood.

    Der Tagesspiegel, 25.01.2003
  • Wer diesen Laufsteg der Reichen, Eitlen und ihrer modehungrigen Groupies gesehen hat, begreift sofort die Weisheit des Märchens, das erzählt, Kleider machten Leute.

    Der Tagesspiegel, 11.08.2002
  • Kleider machen Leute; auch Arbeit kann adeln, und niemand ist, was er scheint.

    Der Tagesspiegel, 11.10.2000
  • Früher galt der Satz: Kleider machen Leute, denn jeder Stand und jede Klasse hatten ihren Habitus, die Ordnung der Gesellschaft bildete sich in der Kleiderordnung ab.

    Berliner Zeitung, 18.04.1998
  • »Kleider machen Leute, aber keine Persönlichkeit«, das gelte im übertragenen Sinne auch für Unternehmen, lautet ein Ausspruch des Heidelberger Schreibgeräte-Fabrikanten Manfred Lamy.

    Berliner Zeitung, 19.07.1997
  • Kleider machen Leute und Leute machen Geschäft.

    Berliner Zeitung, 31.08.1995
  • Es war ein junger Handlungsbeflissener mit fünf und zwanzig bunten Westen und eben so viel goldenen Petschaften, Ringen, Brustnadeln u. s. w. Er sah aus wie ein Affe, der eine rothe Jacke angezogen hat und nun zu sich selber sagt: Kleider machen Leute.

    Heinrich Heine: Reisebilder. Bd. 1. Hamburg, 1826.

Übersetzung in andere Sprachen

  • Vestis virum reddit
    Lateinisch
  • Clothes make the man.
    Englisch
  • Fine feathers make fine birds.
    Englisch

Varianten

  • Kleider machen Leute.
  • Das Kleid macht den Mann.

Themen und Schlagwörter

Letzte Aktualisierung dieser Seite am 15. Juli 2021.