Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall.

Was einer Person nicht gefällt, kann eine andere Person durchaus mögen. Die Geschmäcker sind verschieden.

Herkunft

Das Sprichwort stammt ursprünglich aus dem Niederdeutschen (auch: Plattdütsch).

Erläuterungen

»Uhl« ist das plattdeutsche Wort für »Eule«. Andere Schreibweisen sind »Uul« sowie »Ul«. Die Eule wird traditionell als Unglücksbringer angesehen. Im Volksglauben gilt sie als Symbol des Teufels (auch der Weisheit!). Die Nachtigall hingegen ist ein Sing- und Zugvogel. Sie steht für Frühling und Sommer. Mit der Nachtigall werden schöner Gesang, Glück und Liebe assoziiert.

Bekanntlich hat jeder einen anderen Geschmack und unterschiedliche Vorlieben. Ein- und dieselbe Situation werden deshalb oft ganz unterschiedlich bewertet: Was für den einen eine Zumutung oder gar Katastrophe ist, kann für den anderen ein glückliches Ereignis sein.

Beispiele und Zitate

  • Den Mann in Bramborg was ick nich tau olt, un wat den einen sin Uhl is, is den annern sin Nachtigall.

    Fritz Reuter: Ut mine Festungstid, 1859
  • Wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall, und welch schöne Sache ist doch der Krieg!

    Kurt Tucholsky, Ein Pyrenäenbuch (1927)
  • Was dem einen sin Uhl, ist dem anderen sin Nachtigall. Das Sprichwort über manische Vorlieben trifft auf die zwei Hauptakteure der mittleren deutschen Dirigentengeneration ganz besonders zu.

  • Was der Deutschen Nachtigall, ist vieler anderer Uhl.

Übersetzung in andere Sprachen

  • One man’s meat is another man’s poison.
    Englisch
  • One man’s trash is another man’s treasure.
    Englisch

Varianten

  • Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall.
  • Wat den eenen sin Uhl, is den annern sin Nachtigall.
Letzte Aktualisierung dieser Seite am 7. Februar 2021.