Den Kopf in den Sand stecken

Eine Gefahr nicht wahrhaben wollen; die Augen vor etwas verschließen; der Realität ausweichen.

Erläuterungen

Der Redewendung liegt die irrige Annahme zugrunde, der Vogel Strauß stecke bei Gefahr den Kopf in den Sand. Man vermutete früher, er tue dies, um nicht gesehen zu werden. (Auch kleine Kinder verstecken ihr Gesicht, und glauben dann, niemand könne sie sehen, da sie selbst ja niemanden sehen.)

Die falsche Vermutung gab es wohl schon bei den alten Arabern. Die Römer und nachfolgende Kulturen haben dies später ungeprüft übernommen.

Inzwischen weiß man, dass der Vogel sich in Wirklichkeit mit lang ausgestrecktem Hals auf den Boden presst. Der Biologe Bernhard Grzimek hat beobachtet, dass dies vor allem halbwüchsige Strauße tun. Möglich ist auch, dass ein ausgewachsener Vogel so seinen Nachwuchs schützen will. Dann legt er seinen Körper so flach wie möglich über das Nest.

Obwohl die Welt dazugelernt hat, hat sich die Wendung dennoch erhalten. Häufig ist auch von der »Vogel-Strauß-Politik« die Rede.

Quellen und weiterführende Literatur:

Beispiele und Zitate

  • Wir haben wie Vogel Strauß den Kopf in den Sand gesteckt , um nicht zu hören und nicht zu sehen.

    Theodor Fontane, Schach von Wuthenow, 1883
  • Er hat über Mitgliederschwund und Nachwuchsmangel der Vereine nachgedacht und beobachtet, daß die Vereinsoberen vor diesen Tatsachen gern den Kopf in den Sand stecken.

    Die Zeit, 07.07.1967, Nr. 27
  • »Sie haben da ja nur zwei Möglichkeiten«, sagt Friedrich, »entweder Sie stecken den Kopf in den Sand, oder Sie schauen, wie man es besser machen kann.«

    Die Zeit, 12.05.2011, Nr. 20
Letzte Aktualisierung dieser Seite am 22. Januar 2021.