Auf der Bärenhaut liegen

Faulenzen; sich dem Müßiggang hingeben; sich ausruhen; dem Nichtstun frönen; Dolcefarniente.

Erläuterungen

Die Redewendung ist seit dem 16. Jahrhundert belegt: 1509 bei Heinrich Bebel in »Facetien« sowie 1575 bei Johannes Fischart in »Geschichtsklitterung«. Mehrfach taucht sie auch im »Simplicissimus« (1669) von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen auf.

Allgemein bekannt wurde die Redensart vermutlich durch das Studentenlied »Tacitus und die alten Deutschen«. W. Ruer dichtete 1875 in der 4. und 5. Strophe:

An einem Sommerabend, im Schatten des heiligen Hains, da
lagen auf Bärenhäuten zu beiden Seiten des Rheins
verschiedene alte Germanen, als plötzlich mit höflichem Gruß
ein Römer kam: »Meine Herren! ich heiße Tacitus.«

Mit dem Fell des Bären schmückten sich Krieger schon im 8. Jahrhundert vor Christus. Sie wurde als Auszeichung verliehen und sollte dem Träger die Kräfte des erlegten Tieres verleihen. In Deutschland diente das Bärenfell noch im 15. und 16. Jahrhundert als praktisch für unterwegs. Man konnte darauf bequem lagern und schlafen; es war unverzichtbar für Feldzüge.

Die Bärenhaut hat also einen Bedeutungswandel erlebt. Früher war sie nützliches Utensil für tapfere Kämpfer. Heute liegen nur noch Faulpelze und Müßiggänger auf der sprichwörtlichen Bärenhaut.

Quellen und weiterführende Literatur:

  • Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Freiburg u. a.: Herder 2003.
  • Silcher, Friedrich und Erk, Friedrich (Hrsg.): Allgemeines Deutsches Kommersbuch, Lahr, Verlag Moritz Schauenburg 1906.

Beispiele und Zitate

  • An einem Sommerabend, im Schatten des heiligen Hains, da
    lagen auf Bärenhäuten zu beiden Seiten des Rheins
    verschiedene alte Germanen, als plötzlich mit höflichem Gruß
    ein Römer kam: »Meine Herren! ich heiße Tacitus.«

    Friedrich Silcher und Friedrich Erk (Hrsg.), Allgemeines Deutsches Kommersbuch (1906)
  • Und ansonsten liegen sie auf der Bärenhaut.

    Berliner Zeitung, 22.05.1998
  • Die Zeiten aber, wo man nur bei schönem Wetter trainierte und im Winter sich auf die Bärenhaut legte, sind für den Leistungssportler längst vorbei.

    Die Zeit, 29.11.1963, Nr. 48
  • Man kann sich auf das Gesetz berufen, wenn man die Hände in den Schooß und sich selbst auf die Bärenhaut legt.

    Julius Stettenheim, Der moderne Knigge. In: Werner Zillig (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1902], S. 15511
  • Wenn die alten Deutschen keinen Krieg führten, so ergaben sie sich dem Müssiggang und lagen auf der Bärenhaut.

    Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 1 (1867)
  • Aber dabey müssen sie nicht müssig sitzen/ denn das wolle jhm ja bey leibe niemand nach fleischlichem sinne einbilden/ alß wenn der rechtschaffenen Christenstandt so ein müssiger standt wehre/ da sich einer wol möchte auf die faule bährenhaut strecken/ seines leibes mit niedtlichem essen/ köstlichem trincken/ prächtigen Kleidern/ vnnd anderen fleischlichen wollüsten/ nach aller lust seines hertzens/ wol pflegen/ in steter sicherheit vnd ruhe bleiben/ vnd nimmer keinen anstos noch wiederwertigkeit leiden dürffte.

    Johann Neomenius, Kriegs: vnd Helden mutt. wie vnd woher der zu nehmen (1620)

Varianten

  • Auf der Bärenhaut liegen
  • Auf der faulen Bärenhaut liegen
  • Sich auf die Bärenhaut legen
  • Ein Bärenhäuter sein

Themen und Schlagwörter

Letzte Aktualisierung dieser Seite am 8. Februar 2021.